Infos zur Historie & Technik

der Chiemsee-Schifffahrt

Dampfschiff HERZOG MAXIMILIAN
Dampfschiff HERZOG MAXIMILIAN
Die Raddampfer LUDWIG FESSLER und LUITPOLD
Die Raddampfer LUDWIG FESSLER und LUITPOLD
Dampfschiff HERZOG MAXIMILIAN um 1900
Dampfschiff HERZOG MAXIMILIAN um 1900
Hafen Prien/Stock um ca. 1960
Hafen Prien/Stock um ca. 1960
Dampfschiff LUITPOLD, Baujahr 1887
Dampfschiff LUITPOLD, Baujahr 1887

Geschichte der Chiemsee-Schifffahrt

Seit mehr als 170 Jahren bringen die Chiemsee-Dampfer ihre Gäste ganzjährig sicher und bequem über den See und auf die Inseln.

Die Anfänge...

Für den Zimmerermeister Wolfgang Schmid aus Grassau hat die Feßler`sche Kupferschmiede in München für ein im Jahr 1845 in Betrieb genommenes Dampfschiff eine Kesselanlage gebaut. Da Schmid für seinen Bootsrumpf kein geeignetes Baumaterial verwendet hatte, musste die Kesselanlage immerzu kostenpflichtig von Joseph Feßler repariert werden.
Wolfgang Schmid war es leid geworden, die geringen Einnahmen aus der Schifffahrt für Instandsetzungen an die Kupferschmiede in München abführen zu müssen. Als im Winter 1846/47 der Kessel wieder in München zur Reparatur war, zog sich Wolfgang Schmid aus dem teueren Schifffahrtsbetrieb zurück und überließ den Betrieb Joseph Feßler. Dieser beantragte zusammen mit dem Gastwirt Alois Sedelmeier aus Chieming, die Schifffahrt auf dem Chiemsee übernehmen zu dürfen. Die Erlaubnis wurde am 25. Februar 1848 erteilt.

 

Ein Familienbetrieb...

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird nun die Chiemsee-Schifffahrt in der fünften Generation von der Familie Feßler betrieben.

 

Was das erste Dampfschiff aus Eisen - die HERZOG MAXIMILIAN - mit einem Sägewerk verbindet...

Die Maffeiwerkstätten in München bekamen 1858 von Joseph Feßler den Auftrag, ein eisernes Dampfschiff zu bauen. Der Stapellauf des HERZOG MAXIMILIAN fand am 14. Mai 1859 statt.
Joseph Feßler hatte sich schon während des Baus seines neuen Dampfschiffes Gedanken gemacht, wie die teuere Anschaffung auch außerhalb der kurzen Sommersaison genutzt werden könne. Holz gab es rund um den See genügend, Holzstämme ließen sich flößen und ein Sägewerk in unmittelbarer Nähe gab es auch noch nicht. Also wurde ein Sägewerk und ein Kanal errichtet. Über den Kanal konnte nun das neue Dampfschiff HERZOG MAXIMILIAN nahe an das Sägegatter heranfahren. Die Schaufelräder wurden abmontiert und eine Riemenscheibe an einem Achsende des Dampfers befestigt. Über einen Gurt ließ sich jetzt die Dampfkraft der Maschine an das an Land fest verankerte Sägegatter übertragen.

 

Ein Zuschussgeschäft...

Die Jahre bis zum Schlossbau auf der Herreninsel waren schwierig. Der Schiffsverkehr wurde stark reduziert und ruhte zeitweise.

 

Der Bau des Königsschlosses auf der Herreninsel sorgte für stabile Einnahmen...

König Ludwig II. von Bayern hatte 1878 mit dem Bau des Prunkschlosses begonnen. Die 103 m lange Fassade des Hauptbaues verschlangen Unmengen von Baumaterial, so dass auch das Feßler`sche Dampfschiff viele Lasten über den See schleppen musste. Dies sorgte nach all den mageren Jahren für eine Stabilisierung der Finanzlage. Schon während der Bauzeit der Schlossanlage stieg das Fahrgastaufkommen, denn viele Neugierige wollten einen Blick auf die Großbaustelle werfen.

Als nach dem Tod Ludwigs II. im Jahre 1886 das Schloss zur Besichtigung freigegeben wurde, wollte die Kette der Besucher nicht mehr enden und weitere Schiffe mussten angeschafft werden. Im Jahr 1887 ist das Dampfschiff Luitpold in Dienst gestellt worden. Ebenfalls half die 1887 in Betrieb genommene Chiemsee-Dampfbahn die Besucherströme zu bewältigen. 

 

Der II. Weltkrieg und die Nachkriegsjahre...

Zuerst mussten mehr und mehr Bedienstete ihre Uniform wechseln und an die Front ziehen. Dann wurde die Kohle knapp und schließlich mussten die größeren Schiffe stillgelegt werden. Lediglich einige kleinere Schiffseinheiten hielten die Inselversorgung aufrecht.
Am Ende des Krieges ruhte zunächst der gesamte Schiffsverkehr. Selbst die Inseln wurden bis Juli 1945 nur mit Ruderbooten versorgt. Nach und nach wurde der Schiffsverkehr wieder aufgenommen.

Heute ist der Chiemsee mit der Fraueninsel und der Herreninsel ein beliebtes Ausflugsziel für Gäste aus dem In- und Ausland.

 

 

Haben wir Ihr Interesse geweckt?

Über die Geschichte der Schifffahrt am Chiemsee gibt es auch ein Buch. Das Buch ist bei der Chiemsee-Schifffahrt erhältlich:

 

"Die Schifffahrt am Chiemsee - Schiffe und Menschen auf dem Bayerischen Meer" von Arno Berleb, 160 Seiten, 2005 Editon Förg der Buchhandlung Förg GmbH in Rosenheim, Herausgeben von der Chiemsee-Schifffahrt Ludwig Feßler KG, ISBN 3-933708-16-8.

 

Information und Bestellung direkt bei der Chiemsee-Schifffahrt unter Tel. +49 (0)8051-6090 oder per Mail an info@chiemsee-schifffahrt.de.


LUDWIG FESSLER, Jahr 1965
LUDWIG FESSLER, Jahr 1965
Stapellauf LUDWIG FESSLER, 1926
Stapellauf LUDWIG FESSLER, 1926
LUDWIG FESSLER, 2012
LUDWIG FESSLER, 2012

Raddampfer "Ludwig Fessler"

Die gute alte Zeit erleben auch heute noch Nostalgiker auf dem historischen Raddampfer "Ludwig Fessler".

Im Frühjahr 1927 wurde der Salondampfer "Ludwig Fessler" in Dienst gestellt. Der Raddampfer wurde von der Regensburger Werft Theodor Hitzler gefertigt. Der Dampfkessel und die Maschine stammte von J. A. Maffei in München.

 

Zusammengesetzt wurde das Schiff ab dem Frühjahr 1926 in Prien am Chiemsee. Es war ein turbulentes Treiben: unablässig wurden Bauteile angeliefert, es wurde gehämmert und genietet, geschreinert und gemalert. Alle Beteiligten fieberten mit Spannung der Fertigstellung des 53 m langen und 11,60 m breiten Schiffes entgegen.

 

Mit seinem eleganten Aussehen, dem geschmackvollen Salon und dem einzigartigen Ambiente entwickelte sich der Dampfer schnell zu einem beliebten Ausflugsschiff. In den bitteren Kriegsjahren stand der Raddampfer "Ludwig Fessler" still, da die Besatzung an der Front und die Kohlen knapp waren. Erst 1949 wurde der Raddampfer für die nun ständig wachsende Zahl von Fahrgästen wieder eingesetzt.

 

Mit dem Umbau 1972/73 wurde dem Kohlezauber ein Ende gesetzt. Damals wurde die Dampfmaschine durch einen modernen Dieselantrieb ersetzt. Statt 7-Mann-Besatzung waren jetzt nur noch 3-Mann notwendig. Die Romantik des Schaufelraddampfers ist aber auch nach dem Umbau erhalten geblieben.

Noch heute ist der Raddampfer ein echter "Hingucker" und eine Fahrt mit ihm ein besonderes Erlebnis. 


Transport Blockhaus zur Fraueninsel, 1931
Transport Blockhaus zur Fraueninsel, 1931
Viehtransport, 1925
Viehtransport, 1925

Kurioses

Amüsante Geschichten und spektakuläre Transporte.

Für jeden Transport gibt es eine Lösung...

Die Chiemsee-Schifffahrt transportiert nicht nur Personen und Baumaterial zu den Inseln. Wenn es erforderlich ist, werden auch ungewöhnliche Frachten zu den Inseln durchgeführt. Ob Viehtransporte oder - wie im Jahr 1931 - für die Fraueninsel auch mal ein ganzes Blockhaus. Ob es sich hierbei um einen Prototyp eines Hausbootes handelte ist leider nicht überliefert.

 

Die Rauchschwalben vom Raddampfer LUDWIG FESSLER...

Im Radkasten des LUDWIG FESSLER nisteten in früheren Jahren Rauchschwalben. Vor Wasserspritzern der Schaufelräder geschützt und von neugierigen Blicken der Fahrgäste versteckt bauten sie ihr Nest hinter einem Spant im Radkasten. Das hektische Treiben an den Stegen und auf dem Dampfer schien die Schwalben nicht zu stören. Im Nest sitzend oder fliegend begleiteten die Schwalben das Schiff auf all seinen Fahrten.